Leopold Radauer: Europe is a fascinating puzzle!

Nationality: Austrian
Hobbies: Music, books
Family status: Married, 2 children
Occupation: Deputy Director-General and head of protocol for the European Council. Retired since 1st March 2014.

Interview in Deutsch
Sommaire en français


You are Deputy Director-General at the European Council, what exactly does that mean?
I used to be Head of Personnel, which means that I was responsible for the 3,000 people working here at the Council. Since the Lisbon Treaty, and the reforms that came along with it, I am responsible for the buildings and the technical elements, for protocol as well as running a big conference centre.leopold radauer1

That seems like a lot for one man?
Well, I like to start early, so I can go through my mails and distribute the work that needs to be done. I am in a managerial position, but at the same time I have to be on the ground to make sure that the meetings run smoothly, the interpretation arrangements are in place, and the working lunches are prepared. And when heads of state or government are visiting the Council, it will be me – together with the President or on his behalf – who will welcome our guests on the red carpet.

The European integration process is not over. I am confident that Europe will evolve for the better.

That is a very diverse set of tasks. What aspect of your job do you like the most?
I like the fact that I work with different nationalities, languages and cultural backgrounds.
It is very rewarding and satisfying to see how well it all works. We now have staff from 28 countries working together, which is challenging. The Scandinavians, for example, like to come in very early, have short lunch breaks and leave the office rather early in the afternoon. Then we have colleagues from the Latin countries that tend to come in later, have longer lunch breaks but tend to stay long in the evening. They all work their hours and more, but they have to find compromises, as they have to work together and attend the same meetings. It’s a fascinating puzzle.

What do you hope Europe will achieve in the future?
I hope we will be even more than today the anchor of stability and prosperity for all the people in Europe. Europe is still developing. I see more countries joining – from the Balkans. I think Europe needs to be more transparent and the European Parliament should get its own right of initiative – that is important. The European integration process is not over. I am confident that Europe will evolve for the better – for all its citizens.

Leopold Radauer and King Abdullah II of Jordan

Leopold Radauer and King Abdullah II of Jordan

In a few months you will retire. What events will you remember in particular?
The day we finished the accession negotiations in Copenhagen for the ten countries that joined the Union in 2004. We were able to conclude this year-long process with only 2 hours of delay. This was a superb result. We celebrated by dancing till the early morning hours. And then, in 2012, I could accompany the President of the European Council, together with the Presidents of the European Commission and European Parliament, to Oslo to receive the Nobel Peace Prize for the European Union and its citizens – a proud moment.

Have you always been a convinced European?
When I was a little boy and Austria was far off from EU membership, I remember that my father already had a EU sticker on his car. I did not know what that meant, but my father impressed on me why he was so fond of the European idea : At the age of 17 he was put into a uniform and sent to war. He saw people dying around him and he swore that this must never happen again on our continent, and that the borders that divide Europe have to go. That probably explains why I feel like an Austrian European more than just an Austrian.

Peace, Justice and Solidarity. Europe is our future. It’s up to all of us!

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Leopold Radauer: Europa ist ein faszinierendes Puzzle!

leopold radauer3Sie sind Stellvertretender Generaldirektor im Europäischen Rat, was machen Sie da?
Ich war zunächst Personalchef und damit zuständig für die 3000 Menschen, die im Sekretariat des Rates der Europäischen Union arbeiten. Seit dem Inkrafttreten des Lissabon Vertrags und der damit verbundenen Reformen, bin ich nun für die Gebäude, die gesamte Logistik und für das Protokoll zuständig. Der Rat, in dem sich die Minister der nationalen Regierungen der EU Staaten treffen, ist de facto ein großes Konferenzzentrum.

Das hört sich nach viel Arbeit an!
Ja, ich fange sehr früh am Morgen an. So kann ich alle E-Mails in Ruhe lesen, die Arbeit für den Tag planen und letzte Aufgaben verteilen. Ich habe eine Managementfunktion aber gleichzeitig bin ich gerne vor Ort, um darauf zu achten, dass in den Sitzungsräumen alles glatt läuft, dass die Verdolmetschung funktioniert, dass die Arbeitsessen perfekt vorbereitet sind etc.. Und wenn sich die Staats- und Regierungschefs der EU im Europäischen Rat treffen, bin ich es, der sie – zusammen mit dem Präsidenten des Europäischen Rates Hermann Van Rompuy oder in seiner Vertretung – am roten Teppich willkommen heißt.

Der europäische Einigungsprozess ist noch lange nicht vorbei. Ich bin zuversichtlich, dass sich Europe weiter zum Besseren hin entwickelt – im Interesse seiner Bürger.

Das ist ein breites Aufgabenfeld. Welcher Aspekt ihrer Arbeit gefällt Ihnen am meisten?
Mir gefällt, dass ich mit Mensch verschiedener Nationalität, Sprache und Kultur zusammenarbeiten darf. Es ist sehr befriedigend zu sehen, wie gut das funktioniert. Wir haben nun Mitarbeiter und Politiker aus 28 Staaten, das ist eine echte Herausforderung. Die Skandinavier z.B. kommen immer sehr früh an, haben kurze Mittagspausen und bleiben ungern spät abends. Die Kollegen aus den südlichen Ländern wiederum kommen später, machen längere Mittagspausen, aber bleiben dafür viel länger am Abend. Alle arbeiten viel, die BeamtInnen sicher mehr als sie nach der Arbeitszeitregelung müssten, aber wir müssen Kompromisse finden. Denn alle müssen in denselben und für dieselben Sitzungen arbeiten. Es ist ein faszinierendes logistisches Puzzle!

Was möchten Sie, dass die Europäische Union in der Zukunft erreicht?
Ich hoffe, dass die EU noch mehr als heute ein Hort der Stabilität und des Wohlstands für alle Völker Europas sein wird. Das gemeinsame Europa entwickelt sich noch. Einige Staaten, vor allem in Südosteuropa, werden der EU noch beitreten. Aber ich glaube auch, dass Europa transparenter werden muss und dass das Europäische Parlament in der Gesetzgebung ein Initiativrecht bekommen sollte. Das ist demokratiepolitsch wichtig. Der europäische Einigungsprozess ist noch lange nicht vorbei. Ich bin zuversichtlich, dass Europa sich weiter zum Besseren hin entwickelt – im Interesse seiner BürgerInnen.leopold radauer2

In ein paar Monaten gehen Sie in den Ruhestand. Welche Momente werden Sie in Erinnerung behalten?
Den Tag, an dem wir die Beitrittsverhandlungen mit den 10 Ländern abgeschlossen haben, die 2004 der EU beigetreten sind. Wir haben es geschafft, diesen jahrelangen Verhandlungsprozess nur 2 Stunden später als vorgesehen abzuschließen. Das war ein großartiger Erfolg! Wir haben ihn gefeiert und bis in den Morgen durchgetanzt. Und dann, in 2012 durfte ich die Präsidenten des Europäischen Rates, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments nach Oslo begleiten, wo sie den Nobelpreis für die Europäische Union und ihre Bürger entgegennahmen – das war ein Moment, in dem ich ehrlich stolz war.

Waren Sie immer schon ein überzeugter Europäer?
Ich erinnere mich, dass – als ich noch ein kleiner Bub und Österreich noch weit entfernt von einer EU Mitgliedschaft war – mein Vater schon einen EU-Aufkleber am Auto hatte. Ich wusste damals nicht, was das bedeutet, aber mein Vater hat mir später immer wieder erklärt, warum er ein begeisterter Europäer war. Als 17 Jähriger wurde er in eine Uniform gesteckt und in den Krieg geschickt. Er sah Leute um sich herum sterben und schwor sich, dass er alles dafür tun würde, dass das in Europa nie wieder passiert. Er war davon überzeugt, dass die trennenden Grenzen in Europa verschwinden müssen, um das zu erreichen. Das erklärt wohl, warum ich mich nicht nur als Österreicher, sondern als “Europäischer Österreicher” fühle.

Friede, Gerechtigkeit und Solidarität. Europa ist unsere Zukunft. Es liegt an uns allen!

para

Leopold Radauer: L’Europe est un puzzle tellement fascinant!

« Demain, j’espère que l’Europe sera encore davantage la source de stabilité et de prospérité qu’elle a été jusqu’à présent pour les citoyens européens. »

Leopold RadauerEn tant que Chef du Protocole, Léopold accueille tous les Chefs d’état et de gouvernements qui rencontrent à Bruxelles le Président du Conseil européen. Mais il est également au service des centaines de représentants des gouvernements nationaux qui viennent y travailler tous les jours. A la veille de son départ à la retraite, il prend du recul sur son expérience de l’Europe. Ainsi, il aime à rappeler que dans son enfance, son pays, l’Autriche, était bien éloigné d’un destin européen.
C’est pourquoi Léopold estime qu’il n’est pas impossible que l’Union s’élargisse à de nouveaux membres, à mesure que l’Europe se développe. Pour autant, il aimerait que l’Union devienne plus transparente, et que demain le Parlement européen puisse directement proposer des projets de loi européenne, ce qu’il ne peut pas encore faire aujourd’hui. Quand il sera à la retraite, Léopold aura plus de temps à consacrer à ses deux enfants et à sa passion pour la musique. Mais pour encore quelques mois, il doit veiller au bon déroulement des milliers de réunions dont il a la charge !

Paix, Justice et Solidarité. L’Europe est notre avenir. Cela ne tient qu’à nous!


 

Hearts and Minds for the EU – a project in collaboration withBST_Logo

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